| |
59 Jahre danach: Ein Plädoyer
für mehr Aufgeschlossenheit
Ehemaliger französischer Kriegsgefangener Le Godais besuchte das
Bremervörder Rathaus
Von Bianca Wilkens
Bremervörde. Gestern hat
die Gedenkveranstaltung zum 59. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen-
und KZ-Auffanglagers Stalag X B in Sandbostel stattgefunden. Anlässlich
dieses Gedenktages haben Eduard Gummich, Bürgermeister von Bremervörde,
und sein Stellvertreter Ralf Hube gestern Nachmittag unter anderem Bernard
Le Godais, Repräsentant der ehemaligen französischen Kriegsgefangenen
im Sandbosteler Lager willkommen geheißen.
„Unser Volk hat anderen Völkern sehr viel Unrecht getan", sagte
Ralf Hube in seinem Grußwort, das er anfangs auf französisch
abhielt. In dem Zusammenhang bedankte sich der stellvertretende Bürgermeister
bei dem Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel für
die „unpopuläre Aufgabe, an für uns unbequeme Zeiten zu erinnern".
Persönlich erinnerte sich Ralf Hube an zwei französische Kriegsgefangene,
die in der Backstube seiner Eltern arbeiteten und auch im Sandbosteler
Lager untergebracht waren. „Meine Mutter hat sie gut behandelt, denn mein
Vater hat selbst Kriegserfahrungen gemacht." Eine gewisse Bindung
bestand. Denn „Rene - einer der Franzosen, hat extra noch der Familie
Adieu gesagt nach der Lagerbefreiung", wie Ralf Hube erzählte.
Anschließend stellte der stellvertretende Bürgermeister Bernard
Le Godais vor, was inzwischen „alles geschehen" ist in dieser Region.
Dabei ging er unter anderem auf das 150-jährige Jubiläum der
Stadt ein wie auf markante Unternehmen und auf die Reize der Stadt, zum
Beispiel den Vorder See. Als Erinnerung überreichte er dem Franzosen
das Buch „Unterwegs zwischen Moor und Heide".
Bernard Le Godais mahnte mit bewegenden Worten: „Wir sind alle Menschen
und haben alle dasselbe Ziel: gut zusammen leben. Wenn wir das wollen",
so der ehemalige französische Kriegsgefangene, „müssen wir miteinander
leben und einander lieben". Das habe seine Lebenserfahrung gezeigt,
fügte der 86-Jährige hinzu, der 26 Jahre Bürgermeister
von der Stadt Saint-Berthevin war.
Gleichzeitig schlug Le Godais eine Partnerschaft zwischen Saint Berthevin
und Bremervörde vor. Bürgermeister Eduard Gummich, der aus terminlichen
Gründenspäter hinzustieß, griff diesen Vorschlag auf und
sagte: „Eine Städtepartnerschaft macht Sinn, um in Verbindung mit
der Vergangenheit positives Verständnis füreinander zu fördern."
Die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen
Kriegsgefangenenlagers in Sandbostel „wäre in Bremervörde leichter
gewesen", betonte Eduard Gummich mit Blick auf die aktuelle Diskussion
in Sachen Sandbostel. Als Grund nannte er die Aufgeschlossenheit der Bremervörder
Einwohner. „Ich hoffe, dass zumindest ein Teil des Lagers als Würdigung
der Zeitgeschichte erhalten bleibt." Gleichzeitig räumte der
Bürgermeister ein, „dass so eine Einrichtung nur mit dem Willen der
Bevölkerung geschaffen werden kann".
Dr. Klaus Volland, stellvertretender Vorsitzender des Gedenkstättenvereins
nahm den Gedanken von Bernard Le Godais auf und sagte: „Wir wünschen
uns im Verhältnis zum Landkreis Rotenburg, dass man sich lieben lernt".
Die Generaldevise sei: „Wir müssen miteinander reden".
|
|