Herr Le Godais besucht die Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel
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Lesen Sie bitte auch die beeindruckende Rede von Bernard Le Godais

 

 
Bremervörder Zeitung vom 30. April 2004
 
 
59 Jahre danach: Ein Plädoyer für mehr Aufgeschlossenheit
Ehemaliger französischer Kriegsgefangener Le Godais besuchte das Bremervörder Rathaus

Von Bianca Wilkens

Bremervörde. Gestern hat die Gedenkveranstaltung zum 59. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B in Sandbostel stattgefunden. Anlässlich dieses Gedenktages haben Eduard Gummich, Bürgermeister von Bremervörde, und sein Stellvertreter Ralf Hube gestern Nachmittag unter anderem Bernard Le Godais, Repräsentant der ehemaligen französischen Kriegsgefangenen im Sandbosteler Lager willkommen geheißen.
„Unser Volk hat anderen Völkern sehr viel Unrecht getan", sagte Ralf Hube in seinem Grußwort, das er anfangs auf französisch abhielt. In dem Zusammenhang bedankte sich der stellvertretende Bürgermeister bei dem Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel für die „unpopuläre Aufgabe, an für uns unbequeme Zeiten zu erinnern".
Persönlich erinnerte sich Ralf Hube an zwei französische Kriegsgefangene, die in der Backstube seiner Eltern arbeiteten und auch im Sandbosteler Lager untergebracht waren. „Meine Mutter hat sie gut behandelt, denn mein Vater hat selbst Kriegserfahrungen gemacht." Eine gewisse Bindung bestand. Denn „Rene - einer der Franzosen, hat extra noch der Familie Adieu gesagt nach der Lagerbefreiung", wie Ralf Hube erzählte. Anschließend stellte der stellvertretende Bürgermeister Bernard Le Godais vor, was inzwischen „alles geschehen" ist in dieser Region. Dabei ging er unter anderem auf das 150-jährige Jubiläum der Stadt ein wie auf markante Unternehmen und auf die Reize der Stadt, zum Beispiel den Vorder See. Als Erinnerung überreichte er dem Franzosen das Buch „Unterwegs zwischen Moor und Heide".
Bernard Le Godais mahnte mit bewegenden Worten: „Wir sind alle Menschen und haben alle dasselbe Ziel: gut zusammen leben. Wenn wir das wollen", so der ehemalige französische Kriegsgefangene, „müssen wir miteinander leben und einander lieben". Das habe seine Lebenserfahrung gezeigt, fügte der 86-Jährige hinzu, der 26 Jahre Bürgermeister von der Stadt Saint-Berthevin war.
Gleichzeitig schlug Le Godais eine Partnerschaft zwischen Saint Berthevin und Bremervörde vor. Bürgermeister Eduard Gummich, der aus terminlichen Gründenspäter hinzustieß, griff diesen Vorschlag auf und sagte: „Eine Städtepartnerschaft macht Sinn, um in Verbindung mit der Vergangenheit positives Verständnis füreinander zu fördern." Die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers in Sandbostel „wäre in Bremervörde leichter gewesen", betonte Eduard Gummich mit Blick auf die aktuelle Diskussion in Sachen Sandbostel. Als Grund nannte er die Aufgeschlossenheit der Bremervörder Einwohner. „Ich hoffe, dass zumindest ein Teil des Lagers als Würdigung der Zeitgeschichte erhalten bleibt." Gleichzeitig räumte der Bürgermeister ein, „dass so eine Einrichtung nur mit dem Willen der Bevölkerung geschaffen werden kann".
Dr. Klaus Volland, stellvertretender Vorsitzender des Gedenkstättenvereins nahm den Gedanken von Bernard Le Godais auf und sagte: „Wir wünschen uns im Verhältnis zum Landkreis Rotenburg, dass man sich lieben lernt". Die Generaldevise sei: „Wir müssen miteinander reden".

 
 

Der Franzose Bernard Le Godais (links) schlug Bürgermeister Eduard Gummich (Zweiter von links) und seinem Stellvertreter Ralf Hube gestern eine deutsch-französische Städtepartnerschaft vor. Dr. Helga Bories-Sawala übersetzte das Gespräch ins Französische.

 

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